Ein persönlicher Blick hinter die Kulissen des „größten Klassentreffens der Welt“
Ende 2024: Das große Zittern im Rathaus
Es rumorte heftig in der Gerüchteküche: Kein Altstadtfest 2026? Anscheinend hatte sich bis dato kein Ausrichter gefunden. Die Verantwortlichen der Stadt wurden langsam nervös, die ersten Zeitungsberichte folgten. Es wurde dringend ein Verein gesucht, der die Verantwortung übernimmt – sonst drohte das „größte Klassentreffen der Welt“ ersatzlos auszufallen.
Das Kulturamt fackelte nicht lange, schrieb alle Laufer Vereine an und lud zu einer Infoveranstaltung in den Sitzungssaal des Rathauses ein. Für mich war sofort klar: Da gehe ich hin. Ich wollte mit unserem Verein helfen, das ASF 2026 auf die Beine zu stellen!
Die zähe Suche nach dem Mutigen
Februar 2025 – Die 1. Sitzung: Die vier „großen“ und mehrere kleine Vereine folgten dem Aufruf. Gespannte Stille bei der Vorstellungsrunde. Findet sich heute jemand? Es wurde viel diskutiert und tolle Ideen eingebracht, aber ein Hauptausrichter war nicht in Sicht. Man einigte sich zögerlich auf einen Folgetermin, bei dem detailliert vorgestellt werden sollte, was einem Ausrichter eigentlich alles abverlangt wird.
Die 2. Sitzung: Einige Vereine waren wieder da, aber bei weitem nicht mehr alle. Zu Beginn stellten die Ausrichter der Vorjahre – der Segelflugclub (SFC) und der TSV Lauf – den Ablauf und den immensen Aufwand vor. Die nackte Zahl: ca. 2.500 Arbeitsstunden! Bereits am ASF des Vorjahres (in unserem Fall also Juni 2025) müssen die Kontakte zu Standbetreibern und Musikern geknüpft sein. Doch auch an diesem Abend winkten alle ab. Die Schönberger Vereine (Ausrichter 2025) und die Vorständin des Laufer SV sagten für 2026 ab. Immerhin: Vier Vereine stellten in Aussicht, einen Bierstand eigenständig oder in Kooperation zu betreiben – der DAV Sektion Lauf, der Motorsportclub (MC) Lauf, der Türkische Kulturverein und wir, die Feuerschützengesellschaft (FSG) Lauf.
März 2025 – Die Erlösung bei der 3. Sitzung: Diesmal im Kulturamt in der Sichartstraße. Anwesend waren nur noch fünf Vereine: DAV, SFC, Laufer SV, MC Lauf und wir. Dann die erlösende Nachricht: Die Segelflieger machen es! Was für eine Erleichterung. Da ich in der Woche zuvor in unserem Verein die Helferbereitschaft abgefragt hatte, konnte ich sofort die Zusage für einen eigenen Bierstand geben. Weil der MC Lauf den Standdienst nicht alleine stemmen konnte, sprang ich spontan ein: „Wir integrieren eure Helfer bei uns!“ Ein Angebot, das sich im Nachhinein als absoluter Volltreffer erweisen sollte.
Bürokratie und Hitzewelle
Im Oktober 2025 folgte die Nachbesprechung des ASF 2025 mit Feuerwehr, Polizei, Rotem Kreuz und Security. Eigentlich Routine, doch dann der Schock: Das Gesundheitsamt verlangte ab 2026 gewerbliche Spülmaschinen an den Bierständen! Ist dafür überhaupt Platz? Reicht der Strom? Das Ordnungsamt versprach Klärung.
Im März 2026 die Entwarnung bei der ersten Vorbesprechung beim TV 1877: Die Spülmaschinenpflicht wurde für 2026 ausgesetzt, da die Stromkapazitäten erst geprüft werden müssen. Wir bekamen den begehrten Dreykorn-Stand am unteren Marktplatz zugeteilt. SFC-Chef Thomas Hortz erklärte die Abläufe und stellte uns eine erfahrene Standbetreuung an die Seite. Zurück in den Vereinen lief die Helferakquise wie am Schnürchen: Binnen zwei Tagen hatte ich meine acht Schichtlisten mit je 10 Helfern gefüllt, der MC Lauf zog blitzschnell nach. Alle Dienste standen!
Juni 2026 – Die letzte Besprechung: Die Wetterprognosen sagten Rekordhitze voraus. Keine guten Aussichten für ein Fest auf dem gepflasterten Marktplatz ohne viel Schatten. Die Organisatoren vom SFC reagierten: Wasservernebler werden besorgt, die Preise für Mineralwasser gesenkt und zusätzliche Sonnenschirme organisiert. Dann der nächste Knaller am Donnerstag vor dem Fest: Die Stadt bat uns, die Ausschankzeit am Freitag um eine halbe Stunde zu verlängern. Schichtende erst um 0:30 Uhr statt Mitternacht. 8 Stundenschucht! Hilft ja nix – ich sagte zu.
Das Festwochenende: Zwischen Dauerstress und Wettergott
Freitag, 26. Juni – Der Hitzekollaps: Um 6:30 Uhr rückte die Aufbauschicht an. Acht Frauen und Männer von FSG und MC bauten bei knallender Sonne 100 Biertischgarnituren und neun Großschirme auf. Nach Standübergabe und Einweisung am Nachmittag wollte ich abends eigentlich nur privat feiern. Doch als ich um 19:30 Uhr an den Stand kam, sah ich: Meine Schutzenbrüder und Schützenschwestern brauchen Hilfe. Die extreme Hitze forderte vor allem bei den älteren Helfern ihren Tribut. Also ab an die Kasse! Es folgten vier Stunden purer Dauerstress. Die Besucher hatten unfassbaren Durst und brachten uns an die körperlichen Grenzen. Aber wir rockten es. Die Zusammenarbeit mit den Jungs und Mädels vom MC Lauf war einfach grandios. 0:30 Feierabend. Ich such nach meinen Freunden und feier noch win bisschen mit ihnen. Um 4:38 Uhr fiel ich todmüde, aber glücklich ins Bett.
Samstag, 27. Juni – Das zähe Pflaster: Mittags um 11 Uhr die Ernüchterung. Der Marktplatz war wie leergefegt. Die Hitze hielt die Menschen in den Häusern. Schicht 1 und 2 hatten quasi nichts zu tun – der Umsatz deckte kaum die laufenden Kosten für Strom, Wasser und den Eigenbedarf der Helfer. Erst abends ab 20:00 Uhr zog es wieder an, auch wenn der Freitag unerreicht blieb (was vielleicht auch daran lag, dass die Band auf der Bühne nicht ganz an „BenRay“ vom Vorabend herankam). Frustrierend war die Meldung der Kirchen: Der ökumenische Sonntagsgottesdienst wurde wegen der Hitze in die Johanniskirche verlegt – eine feste Einnahmequelle für den Frühschoppen brach weg. Die Festleitung entschied, am Sonntagvormittag nur einen einzigen Stand am oberen Marktplatz zu öffnen. Unsere 1. Sonntagsschicht fiel flach.
Sonntag, 28. Juni – Die Sintflut zum Finale: Start erst um 13:30 Uhr. Wieder das gleiche Bild: gähnende Leere, die Kosten liefen weiter, der Umsatz blieb aus. Auch der Abend blieb weit hinter den Erwartungen zurück. Doch wir bissen die Zähne zusammen und hielten durch. Pünktlich zum Festende um 22:00 Uhr öffnete der Himmel dann alle Schleusen: Sturmböen, Starkregen, Blitz und Donner! Im strömenden Regen bauten wir die 100 Garnituren ab und schleppten die schweren, nassen Schirme zur Brauerei. Um 23:18 Uhr war ich zu Hause – völlig durchnässt, psychisch und physisch absolut am Ende.
Das Fazit auf der Gartenbank
Ich saß in dieser Nacht noch lange auf der Bank vor meinem Haus im Regen und ließ das Wochenende Revue passieren. Haben wir Fehler gemacht? Warum tun wir uns diesen Wahnsinn eigentlich an?
Die Antwort kam schnell und klar: Weil wir einen verdammt geilen Job gemacht haben! Egal ob an der Kasse, am Zapfhahn, beim Spülen oder Kisten-Schleppen – wir haben perfekt harmoniert. Aus zwei Vereinen (FSG und MC) sind an diesem Wochenende echte Freunde geworden. Und ich möchte eine Botschaft an alle Vereinsverantwortlichen in Lauf weitergeben: Traut euch! Auch als kleiner Verein kann man so ein Event stemmen!
Jetzt weiß ich wieder ganz genau, warum ich mir das antue: Damit dieses wunderschöne Fest weiterlebt. Damit alte Freunde sich treffen, ehemalige Laufer den Weg zurück in die Heimat finden und Jung und Alt gemeinsam feiern können. Wir haben als Verein der Stadt etwas zurückgegeben und Gemeinschaft geschaffen.
Ein riesiges Dankeschön geht an:
- Peter Gereth (1. Vorsitzender des MC Lauf) für die grandiose Partnerschaft,
- das Orgateam des SFC Lauf um Thomas Hortz für die top Unterstützung,
- das Team der Stadt Lauf für die Zusammenarbeit,
- alle Gäste, die bei uns getrunken haben,
- und Last but not Least: An jeden einzelnen Helfer meines Vereins! Ich bin unendlich stolz auf euch!
Tschüss, Altstadtfest 2026! Dem Laufer SV wünsche ich für 2027 ein gutes, erfolgreiches und gesundes neues Altstadtfest!
Ade,
Euer Ralph
